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Gleich lange Spiesse für Händler und Plattformen

Anfang Februar nahm ich an einer Tagung teil, an der der Handelsverband aktuelle Entwicklungen im Online Handel präsentierte. Einige Erkenntnisse daraus haben mich nachdenklich gemacht. Sie betreffen nicht nur unser lokales Gewerbe, sondern auch unser Konsumverhalten und die zukünftige Entwicklung unserer Wirtschaft.

Internationale Plattformen auf dem Vormarsch

Internationale Online-Plattformen haben sich in kurzer Zeit stark im Schweizer Markt etabliert. Besonders auffällig ist das Wachstum von Temu: Mit rund 700 Millionen Franken Umsatz gehört die Plattform bereits zu den grössten Anbietern im Schweizer Onlinehandel – direkt hinter Zalando, Galaxus, digitec, Amazon und ricardo. Auch andere Anbieter wachsen stark: Aliexpress liegt mit rund 390 Millionen Franken Umsatz auf Rang 8, während Shein mit rund 250 Millionen Franken Marktanteil im Jahr 2024 Rang 13 belegt (Quelle: Carpathia, Event Plattformen/Marktplätze – Schweizer Plattformen, 3.2.2026).

Für unser lokales Gewerbe bedeutet diese Entwicklung zusätzlichen Wettbewerbsdruck. Neben dem Einkaufstourismus stehen lokale Anbieterinnen und Anbieter zunehmend im direkten Wettbewerb mit internationalen Plattformen, die sehr schnell wachsen und unseren Markt regelrecht mit Paketen überfluten.

Ein überraschender Unterschied bei den Regeln

Ein persönlicher "Aha-Schock-Moment" an der Tagung war für mich die rechtliche Einordnung vieler dieser Plattformen. Sie verstehen sich oft als reine Vermittler zwischen Käuferinnen, Käufern und Herstellern. Dadurch bewegen sie sich teilweise in einer Lücke der heutigen Gesetzgebung und unterliegen nicht denselben Pflichten wie Schweizer Händler oder Importeure.

Das kann bedeuten, dass Produkte nicht nach gleichwertigen Standards geprüft werden müssen. Gleichzeitig erschwert die enorme Menge an Paketen eine konsequente Kontrolle. Viele Konsumentinnen und Konsumenten dürften sich dieser Unterschiede kaum bewusst sein – ich selbst ging davon aus, dass für alle Anbieter zumindest dieselben Regeln gelten.

Gesetzgebung hinkt der Entwicklung hinterher

Die bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen stammen aus einer Zeit, in der solche Plattformmodelle noch nicht existierten. Zwar laufen politische Diskussionen, um künftig faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Gemäss Einschätzungen aus der Branche könnte dies jedoch noch mehrere Jahre dauern.

Sollten die Marktanteile internationaler Anbieter weiterhin so dynamisch wachsen, wird das langfristig Auswirkungen auf unsere lokale Wertschöpfung, unsere Arbeitsplätze und unseren Wohlstand haben.

Bewusst handeln statt nur reagieren

Meine wichtigste Erkenntnis aus diesen Entwicklungen: Wir können den Wandel nicht stoppen – aber wir können bewusst damit umgehen.

Es ist mir ein grosses Anliegen, unsere lokalen Läden und Restaurants aktiv in ihrer Weiterentwicklung zu stärken. Gemeinsam mit der Bildungs-Institution HKV Nordwest bieten wir massgeschneiderte Weiterbildungen in digitalem Marketing an und unterstützen Betriebe dabei, sichtbar zu bleiben und ihre Stärken gezielt zu zeigen.

Gleichzeitig braucht es auch Information auf Konsumentenseite. Wer lokal einkauft, stärkt das Gewerbe direkt vor Ort. Und wenn ein Produkt im eigenen Umfeld nicht erhältlich ist, macht bereits die bewusste Entscheidung für einen Schweizer Händler mit Onlineshop einen wichtigen Unterschied.

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